Wissen - die Ressource im 21. Jahrhundert

Wissen

Dieser Artikel versucht eine Antwort zu  geben, warum Wissen zur wertvollsten Ressource im 21. Jahrhundert wird und wie wir dieses Wort „Wissen“ in der Ökonomie einordnen können.

 

Überall in der aktuellen Managementliteratur lesen wir davon, dass sich die entwickelten Industriestaaten in einem Transformationsprozess von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft befinden. Was verbirgt sich hinter dieser These?

Die sinkende Bedeutung der Produktionsmittel

Verschaffte am Anfang des 19. Jahrhunderts die Investition eines Unternehmens in eine Dampfmaschine diesem einen erheblichen Wettbewerbsvorteil über mehr als ein Jahrzehnt, bringen heute selbst milliardenhohe Investitionen in modernste Produktionsanlagen allenfalls einen Wettbewerbsvorteil von 1 bis 2 Jahren. In manchen Branchen ist dieser Zeitraum sogar auf wenige Monate geschrumpft.

Ein aktuelles Beispiel hierzu liefert die Photovoltaikindustrie: Begünstigt durch üppige Fördermaßnahmen konnten sich deutsche Hersteller, wie z.B. Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen, die besten Produktionsanlagen leisten, um diese junge und zukunftsträchtige Technologie auf den Markt zu bringen und überproportional zu wachsen. 2008 war Q-Cells der weltgrößte Hersteller von Solarzellen. Zur gleichen Zeit exportierten die Anlagenbauer, die für Q-Cells gearbeitet hatten, ihre Maschinen und Anlagen in die Volksrepublik China.

In nur 3 Jahren hatten die Chinesen mit noch moderneren Anlagen, preiswerteren Arbeitkräften, niedrigeren Energiekosten, währungspolitischen Vorteilen, verdeckter staatlicher Förderung und einer aggressiven Verkaufstrategie ihren Anteil von 33% auf 70% des Weltmarktes ausgebaut. Q-Cells und andere mussten nach einem kometenhaften Aufstieg in einem scheinbar zukunftssicheren Markt schon wenige Jahre später Insolvenz anmelden. Durch die chinesische Überproduktion hat sogar inzwischen in China selbst ein Preisverfall eingesetzt.

Die Bedeutung von Kapital

Am vorgenannten Beispiel ist ablesbar, dass weltweit offenbar auch ausreichend Kapital vorhanden war/ist und keinen Engpass darstellte. Eine virtuelle Finanzwelt hat in den letzten 30 Jahren hunderte von Billionen Dollar produziert, die realwirtschaftlich nicht mehr abgebildet werden können und dringend darauf warten, wieder reale Werte zu schaffen.

Insbesondere das Internet - als eine besonders effektive Technologie zur preiswerten Informationsübertragung über Ländergrenzen und Kontinente hinweg - hat Folgewirkungen bis hin zu politischen Revolutionen ausgelöst: So wurden über Jahrzehnte etablierte, mächtige und finanzstarke Herrschafts-Familien in wenigen Monaten zu Flüchtlingen und Verfolgten. Der Umbruch im Norden Afrikas ist nur ein Beispiel dafür, wie ein Vermögen in Milliardenhöhe kein Überleben mehr garantieren kann.

Die Bedeutung von Rohstoffen

Sicherlich treiben momentan (2012) die Rohstoffpreise die Inflation in den Industrieländern und viele Autofahrer stöhnen an der Tankstelle. An der Kurve des Ölpreises ist in den letzten 10 Jahren jedoch eine erhebliche Schwankung festzustellen und spekulative Blasenbildungen von Rohstoffpreisen motivieren die Wertschöpfungsketten immer wieder, die entstehenden Engpässe durch die Entwicklung und Einführung neuer Technologien zu überwinden.

Ölpreisentwicklung

Die apokalyptischen Prophezeiungen des Club of Rome („Die Grenzen des Wachstums“, 1983) sind u. a. auch deshalb noch nicht eingetreten, weil viele Abfälle in Wertstoffe zurück recycelt und dem Stoffkreislauf neu zugeführt werden.

Als physisches Beispiel ist in diesem Zusammenhang das von Braungart/McDonough geschaffene cradle-to-cradle-Konzept eines radikalen Komplettrecyclings zu nennen, nach dem Trigema schon T-Shirts entwickelt hat, Philipps in den Niederlanden einige Leuchtmittel oder Backhausen textile Gebrauchsstoffe produziert.

Am Beispiel des Rohstoffs Zellulose zur Papiererzeugung und der Substitution des Papiers als Informationsträger durch die elektronischen Medien sowie neue Endgeräte, wie Tablets, Smartphones, E-Book-Reader etc., wird der Ersatz eines Rohstoffes durch eine neue Technologie für jedermann sichtbar.

Die rasante Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnik, die weltweit installierten Logistiknetze und die international agierenden Finanzsysteme beschleunigen diese Entwicklung.

Es muss also ein anderer Faktor sein, der heute oder in naher Zukunft die Schlüsselfunktion in der ökonomischen Entwicklung übernimmt. Nach Meinung vieler Ökonomen sind es, wie erläutert, nicht Rohstoffe, Produktionsmittel oder Kapital, sondern Wissen.

Die Bedeutung von Wissen

Bevor wir der Beantwortung der Frage nachgehen, warum Wissen die Schlüsselfunktion in der ökonomischen Entwicklung einnimmt, ist eine Begriffsbestimmung des Wortes „Wissen“ hilfreich. Das Wort „Wissen“ ist vieldeutig. Hierfür findet sich seit der Antike im philosophischen und wissenschaftlichen Diskurs keine präzise und übergreifend anerkannte Definition. In den letzten 30 Jahren jedoch wird der Begriff zunehmend aus dem Blickwinkel der Informatik betrachtet. Diese Verengung ist jedoch nicht zielführend.

Einer der namhaften Experten auf dem Gebiet des „Wissensmanagements“, Prof. Gilbert Probst von der Universität Genf, umschreibt in seinem Buch „Wissen managen“ den Begriff so:

"Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden."

Die Bedeutung des Wortes Wissen unter dem Aspekt der Problemlösungsfähigkeit zu betrachten, führt zu einer völlig neuen Sichtweise und öffnet den Blickwinkel auf die strategische Bedeutung von Wissen im 21. Jahrhundert:

Der Engpass, der im obigen Beispiel zum Niedergang einiger deutscher Photovoltaikunternehmen führte, beinhaltete nicht mangelndes Kapital, fehlende Rohstoffe oder Produktionsmittel, sondern das mangelnde Management-Wissen, wie man in einer vernetzten Welt Energievorsorgung mit Sonnenlicht einführt, ökonomisch sinnvoll betreibt und damit eines der zentralen Probleme der industriellen Entwicklung, nämlich „ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu wirtschaften“, löst.

Hätte sich Q-Cells frühzeitig auch zum Anlagenplaner, Projektentwickler, Betreiber, ja vielleicht in letzter Konsequenz zum Energieversorger entwickelt, hätte man schrittweise die Produktion der Module an Lizenzpartner abgeben und sich als Betreiber und Energieversorger von „Sonnen-Strom“ etablieren können.

Auf Erklärungen über die verschiedenen Arten von Wissen, die verschiedenen Formen zur Wissensentstehung und Wissensverbreitung wird hier verzichtet. An dieser Stelle sollen die verschiedenen Wertigkeiten und die Bedeutung von Wissen für die „Problemlösungsfähigkeit“ eines Individuums, einer Institution oder einer Organisation an einem Modell visualisiert werden:

Wissen

Ebene 1: "Gewusst dass" - Faktenwissen

Über dieses Wissen verfügen auch Tiere. Es bezeichnet z.B. das Wissen, welche Beutetiere genießbar sind.

Faktenwissen beinhaltet Zahlen, Daten und Fakten. Es ist leicht zu strukturieren, in Datenbanken abzubilden, zu kopieren, zu verbreiten. Die Menge an Faktenwissen wächst mit enormer Geschwindigkeit.

Ebene 2: "Gewusst wie" - Erfahrungswissen

Dieses Wissen entwickeln auch Tiere, in diesem Zusammenhäng versteht man darunter die erlernte Fähigkeit, Beutetiere zu fangen.

Erfahrungswissen ist schwer strukturierbar, aber relativ leicht kommunizierbar.

Ebene 3: "Gewusst warum" - Zusammenhänge erkennen können

Diese Art Wissen ist dem Menschen vorbehalten. Es ist nicht strukturierbar und abhängig vom Betrachtungshorizont der Wissenden. Zudem ist es schwer kommunizierbar und sehr schwer zu entwickeln, da der Mensch tendenziell dazu neigt, sich bei zunehmender Komplexität in dogmatische Heilslehren zu flüchten und die Verantwortung anderen zu überlassen.

Ebene 4: "gewusst woher/wohin" - Das Wissen um die Schöpfung

Dieses Wissen ist auch uns Menschen derzeit (noch) nicht zugänglich.

 

 

Autor: Michael Hihn

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