Die 4 Ebenen unternehmerischen Denkens und Handelns

4 Ebenen

Dieser Artikel dient als Orientierungsrahmen für UnternehmerInnen, um die vielfältigen Managementwerkzeuge, Methoden und Tools in der täglichen Praxis besser einordnen zu können, deren Grenzen zu erkennen und gleichzeitig auch den Horizont zu einer ganzheitlichen Unternehmensführung zu öffnen.

 

Mit zunehmender Veränderungsdynamik in Wirtschaft und Gesellschaft entstehen immer neue Management-Techniken und Methoden die helfen sollen, die Probleme zu meistern. Die Unternehmenslenker sehen sich dadurch einer wachsenden Zahl von Instrumenten und Management-Techniken gegenüber, die beworben, publiziert und angeblich erfolgreich praktiziert werden. Nicht selten verursacht ein Glaubenskrieg zwischen den Entwicklern oder Beratern dieser Methoden für zusätzliche Verwirrung.

Für die Unternehmenslenker stellt sich deshalb oft die Frage: Welche der Management-Methoden sind für uns wertvoll, wann setzen wir Sie ein und welche Wirkung erzielen wir damit?

Um hier einen einfachen Orientierungsrahmen zu schaffen wurde das „Modell der vier Ebenen für unternehmerisches Denken und Handeln“ entwickelt.

Es soll UnternehmerInnen einerseits helfen, bestimmte Managementtechniken, Methoden und Werkzeuge leichter einzuordnen und damit besser vergleichbar zu machen und andererseits auch den Blickwinkel öffnen, um die richtigen Prioritäten zu setzen und die Folgewirkungen von Entscheidungen besser beurteilen zu können. Denn Entscheidungen die auf einer Ebene getroffen werden, haben immer Auswirkungen auf den anderen Ebenen.

ebenen unternehmerischen denken und handelns

Die Geistige Ebene

In der geistigen Ebene geben die Unternehmenslenker der Unternehmung einen Sinn. Hier implementieren sie ein Wertegerüst und definieren die betriebswirtschaftlichen Grundsätze: Gewinnmaximierung für das eigene Unternehmen im Sinne der Smith’schen Logik des freien Marktes oder Nutzenoptimierung als kompetentes Problemlösungszentrum in einer Wertschöpfungskette. Auch die verborgenen Konflikte, Ängste, Glaubenssätze der GeschäftsführerInnen übertragen sich in gewisser Weise auf die Mitarbeiter und blockieren die Weiterentwicklung des Unternehmens. Eine kraftvolle Vision kann nur entstehen, wenn sie vom Management authentisch vorgelebt und von den MitarbeiterInnen mitgetragen wird.

Das Arbeiten auf der geistigen Ebene ist kein Einmalvorgang. In der täglichen Praxis ist immer wieder zu hinterfragen:

  • Macht das Vorhaben einen Sinn?
  • Steigern wir damit ausschließlich unseren Gewinn oder schaffen wir damit auch einen Nutzen für unsere Kunden oder gar einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft?
  • Bleiben wir damit für Kunden und Mitarbeiter authentisch?
  • Welche Blockaden lähmen uns?

Der große griechische Philosoph und Historiker Plutarch hat einmal gesagt: „Der Geist des Menschen ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entfacht werden will.“ Deshalb ist auch die Form der Kommunikation mit Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit existentiell wichtig.

Wie viel Transparenz ist z. B. gegenüber den Mitarbeitern notwendig und wie stellen wir die Zusammenhänge verständlich dar? Für ein Unternehmen hat es langfristig verheerende Folgewirkungen, wenn MitarbeiterInnen den unternehmerischen Entscheidungen nicht mehr folgen können und die beschlossenen Maßnahmen des Managements als sinnlos beurteilen.

Prozesse auf der Geistigen Ebene sind:

  • Nachdenken über Sinn, Werte, Grundsätze, Vision, Mission
  • Definition und Kommunikation von Leitsätzen
  • Erkennen und Beseitigen von Blockaden

Wichtige Fragestellungen in dieser Ebene sind:

  • Wie wollen wir wachsen?
  • Soll es ein Mehrgenerationen-Unternehmen werden?
  • Geht es vorrangig um die Überlebensfähigkeit oder soll der Unternehmenswert schnell gesteigert werden um das Unternehmen dann zu verkaufen?
  • Gewinn maximieren oder Nutzen optimieren?
  • Wollen wir uns in vorhandene Wertschöpfungsketten optimal integrieren oder wollen wir diese dominieren?
  • Welche Werte sind uns wichtig?
  • Welchen Sinn macht unser Tun für die Gesellschaft?
  • Welche Ängste, Konflikte, Glaubenssätze blockieren uns, unsere Vorhaben kraftvoll umzusetzen?
  • Wie formen wir aus Individuen leistungsfähige Teams?

Angewandte Methoden in dieser Ebene sind u. a.:

Die Strategische Ebene

Das Wort Strategie hat seinen Ursprung im altgriechischen „strategós“ und bedeutet so viel wie „Feldherrenkunst“. Auf die tägliche Unternehmenspraxis übertragen ist es die Kunst, die vorhandenen Kräfte und Mittel zur Erreichung eines langfristigen oder übergeordneten Zieles optimal einzusetzen. Dieser Kräfteeinsatz soll hier am Beispiel der „Schiefen Schlachtordnung“ dargestellt werden. Die schiefe Schlachtordnung ist eine Form der militärischen Gefechtsführung. Als Erfinder gilt der thebanische Feldherr und Staatsmann Epameinondas. Die militärischen Erfolge Alexanders des Großen oder Friedrichs des Großen z.B. in der Schlacht bei Leuthen 1757, werden ebenfalls der Anwendung dieses Strategems zugeschrieben.

Das Prinzip: Alle vorhandenen Kräfte sind auf einen Punkt zu konzentrieren und dieser Punkt ist der schwächste Punkt des Gegners. Der Systemforscher Wolfgang Mewes hat in den 60er Jahren dieses militärische Erfolgsprinzip auf die soziale Marktwirtschaft in folgender Form transformiert: Konzentriere deine Stärken auf die Lösung der am brennendsten empfundenen Probleme einer eng umrissenen Zielgruppe und du wirst Erfolg haben. Das Paradoxon dieser Transformation war, dass aus einem Konflikt-Strategem welches auf die Zerstörung des Gegners zielt, eine kybernetische Strategielehre entstanden ist, die in der komplexen Verflechtung der Weltwirtschaft auf erstaunliche Weise harmonisierend und problemlösend wirkt. Denn jedes Individuum, jedes Unternehmen hat bei genauer Betrachtung andere Stärken, Talente und Möglichkeiten die es wiederum befähigen seine Kräfte und Mittel zum Nutzen neuer Zielgruppen einzusetzen. Dadurch entsteht eine Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten für Individuen und Systeme, wie wir sie in der Natur z. B. in den tropischen Regenwäldern Südamerikas oder in den faszinierenden Korallenriffen Südostasiens vorfinden. Diese Strategielehre wurde als EKS® = Engpass-konzentrierte-Strategie bekannt. Die Rechte liegen seit 2008 beim Malik Management Zentrum St. Gallen.

Prozesse auf der strategischen Ebene sind:

  • Marktanalysen
  • Kundenzufriedenheitsanalyse
  • Marketingplanung
  • Innovationsmanagement
  • Kooperationsmanagement

Wichtige Fragen auf der strategischen Ebene sind:

  • Wo liegen unsere Stärken, Talente und Fähigkeiten?
  • Welche Geschäftsmodelle sind für uns denkbar?
  • Welchen Zielgruppen können wir einen zwingenden Nutzen bieten?
  • Auf die Lösung welcher Probleme sind wir spezialisiert?
  • Mit welchen Innovationen können wir die Probleme unserer Kunden noch besser lösen als bisher?
  • Welche Kooperationen sind dazu notwendig?
  • Welche Fähigkeiten müssen wir selbst weiter entwickeln und welche Fähigkeiten können wir einkaufen?
  • Welche sozialen Grundbedürfnisse hat unsere Zielgruppe und wie können wir diese dauerhaft besser lösen als andere?

Angewandte Methoden in dieser Ebene sind u. a.:

Die Operative Ebene

Die operative Ebene ist die Ebene der Bewegung wie es Dr. Rudolf Mann ausdrückt . Sie umfasst in diesem Modell alle Produktions-, Kommunikations-, Informations-, und Denkprozesse, die der Durchführung des Geschäftsauftrages dienen. Von der Organisation des Vertriebes über Einkauf, Produktion, Lieferlogistik bis zur Rechnungsstellung.

Hier wurden in den vergangenen 200 Jahren der Industrialisierung und vor allem in den letzten 30 Jahren durch die Fortschritte der Mikroelektronik und der Informations- und Kommunikationstechnik große Produktivitätsfortschritte erschlossen. Durch das Internet und die weltweite Verbreitung von Maschinen und Anlagen ist der mögliche Vorsprung, den man sich auf dieser Ebene erarbeiten kann aber auf wenige Jahre, ja in manchen Bereichen sogar auf wenige Monate geschrumpft.

Prozesse auf der operativen Ebene sind:

  • Personalmanagement
  • Vertrieb
  • Einkauf
  • Produktion
  • Lagerlogistik
  • Versand
  • Projektabwicklung

Angewandte Methoden in dieser Ebene sind u. a.:

Wichtige Fragestellungen auf der operative Ebene sind:

  • Wie wählen wir unsere Mitarbeiter aus?
  • Wie gestalten und steuern wir unser Vertriebsnetz?
  • Wo liegen noch Rationalisierungspotentiale in der Prozesskette?
  • Wie können wir die Prozesse sichern?
  • Wie führen wir Projekte zum erfolgreichen Abschluss?
  • Welche neuen Produktions- oder Fertigungs-Technologien sind einzuführen?

Die Finanzielle Ebene

Auf der finanziellen Ebene materialisieren sich die Aktivitäten des Unternehmens.

Hier ist darüber nachzudenken - um es vereinfacht auszudrücken - wie mit der Ernte umgegangen werden soll. Wie ein Landwirt im Herbst überlegen muss, welchen Anteil er zur eigenen Grundsicherung braucht um über den Winter zu kommen, wie viel er als Saatgut für das nächste Jahr benötigt, was er verkaufen kann um die eigene Infrastruktur zu verbessern, ist auch das Management in der Pflicht, mit den erwirtschafteten Erträgen sorgfältig umzugehen.

Zielsetzung dabei ist die Vermeidung von Abhängigkeiten, die Stärkung der eigenen Überlebensfähigkeit und die Verbesserung der Infrastruktur.

Prozesse auf der finanziellen Ebene sind:

Angewandte Methoden in dieser Ebene sind u. a.:

Wichtige Fragestellungen auf der finanziellen Ebene sind:

  • Welches ist die richtige Unternehmensform um die Erträge für das Unternehmen zu speichern?
  • Wieviel Prozent des Umsatzes fließen in Forschung & Entwicklung?
  • Wie finden wir die richtige Form der Mitarbeitentlohnung?
  • Wieviel Liquidität müssen wir für welche Zeiträume vorhalten um unsere Unabhängigkeit zu bewahren?
  • Welche Verbesserung unserer Produktionsmittel können/müssen wir uns leisten?

 

Empfehlenswerte Literatur

 

Autor: Michael Hihn

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