Industriekostenkurve - Eine Entscheidungshilfe

kostenkurve

Die Entscheidung für den Ausbau oder die Schließung von Standorten im eigenen Unternehmen und bei Wettbewerbern beruht häufig auf einer Analyse der Industriekostenkurve. Auch für die Prognose der Preisentwicklung in einer Branche leistet das Werkzeug wichtige Beiträge. Dieser Beitrag zeigt, wie man Industriekostenkurven erstellt und anwendet.

 

Die Industriekostenkurve dient der Analyse der relativen Kostenposition eines Unternehmens. Auswirkungen von Veränderungen von Preis, Nachfrage oder Angebot werden simuliert und die Kostenpositionen aller Wettbewerber werden ermittelt und in ein Schaubild überführt, anschließend werden ggf. Szenarien durchgespielt.

Mit der Industriekostenkurve lässt sich die Kostenposition eines Unternehmens im Vergleich zu seinen Wettbewerbern aufzeigen. Auf Basis der ermittelten Daten können die Auswirkungen von Veränderungen des Nachfragevolumens, des Preisniveaus und der Kapazitäten im Markt simuliert werden. Diese Erkenntnisse unterstützen die Beurteilung von strategischen Handlungsoptionen. Hauptanwendungsbereich der Industriekostenkurve sind Märkte mit weitgehend homogenen Produkten („Commodities"), als Märkte, in denen hauptsächlich Preiswettbewerb herrscht. Denkbar ist eine Anwendung auch, wenn der Wert der Produkte verschiedener Anbieter sich auf eine konsistente und berechenbare Weise unterscheidet.

Das Konzept der Industriekostenkurve stammt aus der Mikroökonomie. Sie stellt die Produktionskapazität der einzelnen Anbieter in Abhängigkeit vom Kostenniveau dar. Weiterhin werden in das Schaubild die Gesamt-Nachfrage und das gegenwärtige Preisniveau eingetragen.

Beispiel Industriekostenkurve 19-08-2013

Erstellen der Industriekostenkurve

Die Darstellung muss sämtliche Werke mit ihren Produktionskapazitäten umfassen – sowohl bestehende als auch potenziell neue Werke bzw. Erweiterungen bestehender Anlagen. Die Kosten umfassen folgende Elemente:

  • Cash-Kosten pro Tonne: unter „cash cost of production" wird die Summe aus variablen Kosten (Rohstoffe, Betriebsmittel, z.B. in der chemischen Industrie auch Erlöse für Nebenprodukte), direkten Fixkosten (Fertigungslöhne, Instandhaltung) + verrechnete Fixkosten (Gemeinkosten des Werks)
  • Transportkosten pro Tonne (vorausgesetzt, die Transportkosten sind vom Anbieter zu tragen)
  • Opportunitätskosten der Investition
  • Bei noch nicht gebauten Anlagen: Den entgangene Gewinn einer vergleichbar riskanten Investition, welche das betreffende Unternehmen mit den für die neue Anlage benötigten Mitteln tätigen könnte
  • Bei bereits vorhandenen Anlagen: Der Großteil der Kapitalkosten ist als „sunk costs" zu betrachten, da er nicht mehr anderweitig investiert werden kann. Die einzigen Opportunitätskosten sind daher das durch den Betrieb der Anlage gebundene Betriebskapital

Anwenden der Industriekostenkurve

Im Folgenden soll anhand des obigen Beispiels erläutert werden, welche Analysen mit der Industriekostenkurve möglich sind.

Wie im Schaubild zu sehen, existieren derzeit vier Werke, die das betreffende Produkt herstellen können. Zwei davon gehören Unternehmen A, eines Unternehmen B, und eines Unternehmen C. Das Werk von C ist derzeit eingemottet (produziert also nicht). B überlegt, ein weiteres Werk zu errichten, welches allerdings mit 1200 Euro/Tonne die höchsten Produktionskosten der Branche hätte. Die Nachfrage liegt derzeit bei 75.000 Tonnen.

Preisbildung im Markt

Der Marktpreis wird sich leicht unterhalb der Cash-Kosten desjenigen Anbieters einpendeln, der gerade nicht mehr benötigt wird, um die derzeitige Nachfrage zu befriedigen. Der Marktpreis wird sich nämlich so einstellen, dass Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind Die Nachfrage wird von den Anbietern gedeckt, die zu den niedrigsten Kosten produzieren können. Die Werke A1 und B sind also voll ausgelastet, A2 produziert 10.000 von 25.000 möglichen Tonnen, und C produziert gar nicht, da es bei dem sich einstellenden Marktpreis mit jeder Tonne Verluste machen würde.

Würde A Preise von über 1000 Euro/Tonne verlangen, würde C in den Markt eintreten und einen Teil des Absatzes von A wegnehmen. Deshalb wird A einen Preis knapp unter 1000 Euro/Tonne wählen. C tritt damit nicht in den Markt ein, und die Kunden haben keine andere Wahl, als den Preis zu bezahlen. Der Gewinn wird übrigens durch das Rechteck zwischen Kosten und Preis eines Anbieters.

Auswirkungen von Kapazitätsveränderungen

Anhand der Kostenkurve kann B beispielsweise die Auswirkungen einer Kapazitätserweiterung seines Werks B1 simulieren. Eine Erweiterung könnte A2, das höhere Kosten hat, aus dem Markt drängen. Konsequenz wäre, dass sich der Preis knapp unterhalb der Kosten von A2 einpendeln würde, also erheblich niedriger wäre. In Summe ergäbe sich somit ein negativer Gewinneffekt für B.

Ebenso kann A durchspielen, wie sich eine Schließung seines Werks A2 auswirkt. Durch die Schließung würde C den Markt betreten, um die benötigten Mengen zu liefern. Der Preis würde auf knapp unterhalb der Kosten des noch nicht gebauten Werks B2 ansteigen, wodurch A1 wesentlich mehr Gewinn machte. Aus Unternehmenssicht kann es also durchaus vorteilhaft für A sein, das an sich profitable Werk A2 zu schließen.

Auswirkungen von Veränderungen der Nachfrage

Die Nachfrage wurde bisher als gegeben betrachtet. Dies trifft sicherlich mittelfristig auch auf viele Märkte zu, da Substitution eines Gutes häufig nicht ohne Weiteres möglich ist. Die Industriekostenkurve kann jedoch auch die Auswirkungen von längerfristigen Änderungen der Nachfrage abbilden. Sinkt im Beispiel die Nachfrage auf 50.000 Tonnen, wird A2 aus dem Markt gedrängt und der Preis sinkt auf 850 Euro/Tonne, also knapp unterhalb der Kosten von A2.

 

Template Industriekostenkurve

Die oben dargestellte Folienvorlage für Ihre Anwendung.

Autor: Achim Sztuka

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